Wer als Gastarbeiter oder akademischer Besucher nach Deutschland kommen möchte, bleibt in der Regel für längere Zeit – zum Beispiel ein Semester oder einige Jahre – in Deutschland. Für diese Zeit muss man krankenversichert sein, denn das ist in Deutschland Pflicht. Eine entsprechende Bestätigung muss bei der Arbeitsstelle, bei der Universität, beim Einwohnermeldeamt und für den Visum-Antrag vorgelegt werden. Das deutsche Gesundheitssystem zählt zu den besten der Welt, ist jedoch auch nicht gerade günstig. Ohne Versicherung sind umfangreiche medizinische Behandlungen für Privatpersonen nur schwer bezahlbar und auch die monatlichen Beiträge für die Versicherung sollte man bei seiner Budgetplanung berücksichtigen. Wer in diesem Bereich Geld sparen möchte sollte einige Tipps beachten.

Gastarbeiter

Welche Art der Versicherung notwendig ist und was beachtet werden muss hängt unter anderem davon ab, aus welchem Land man stammt. Für Bürger aus Mitgliedsländern der Europäischen Union gibt es durch die innerhalb der EU beschlossenen Sozialversicherungsabkommen andere Regelungen. Auch andere Länder aus dem Europäischen Wirtschaftsraum haben Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland. Das sollte als erstes geklärt werden. Besteht ein Sozialversicherungsabkommen, gilt die deutsche Versicherungspflicht bei Aufenthalten in Deutschland, dabei macht es keinen Unterschied, ob man angestellt oder selbstständig tätig ist. Es gibt jedoch auch von dieser Regelung Ausnahmen: Wer in Deutschland arbeitet, jedoch in einem anderen Land noch selbstständig ist, der kann sich in beiden Ländern versichern lassen und benötigt keine deutsche Versicherung. Außerdem muss man keine deutsche Versicherung abschließen, wenn die Beschäftigung in Deutschland begrenzt ist und maximal 12 Monate dauert. In diesem Fall wird jedoch das Formular E101 verlangt.

Für Gastarbeiter, die aus einem Land stammen, welches nicht Mitglied der Europäischen Union ist und kein Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland getroffen hat, ist eine Versicherung in Deutschland ebenfalls notwendig, dabei kommt es nicht auf die Länge des Aufenthaltes in Deutschland an. Man kann entweder Teil der gesetzlichen Versicherung in Deutschland werden oder sich privat versichern lassen. Falls man jedoch Teil der gesetzlichen Krankenversicherung sein möchte, benötigt man zusätzlich zum Arbeitsvisum auch eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland. Diese bekommt man zum Beispiel bei der Deutschen Botschaft.

Das Deutsche Versicherungssystem

Die Beiträge für die gesetzliche Versicherung in Deutschland berechnen sich nach dem Einkommen der zu versichernden Person. Dabei wird ein Teil vom Arbeitnehmer und ein Teil vom Arbeitgeber übernommen. Die gesetzliche Krankenversicherung bietet einen guten und soliden Rundumschutz und soll für jeden zugänglich sein und jedem medizinische Versorgung gewährleisten.

Die private Krankenversicherung dagegen berechnet die Beiträge nach Alter und Gesundheitszustand der zu versichernden Person. Im Gegensatz zur gesetzlichen Versicherung ist das Prinzip hier weniger solidarisch, sondern jeder zahlt in Abhängigkeit seines Risikos. Dafür erhält man durch die private Versicherung einige Vorteile und kann auch die Leistungen individuell bestimmen. Für Gastarbeiter und akademische Besucher könnte es ein Problem werden, dass private Versicherungen teilweise voraussetzen, dass man schon eine gewisse Zeit in Deutschland gelebt hat oder die Versicherung über einen langen Zeitraum abschließt. Manche private Versicherungen bieten jedoch spezielle Tarife für Ausländer, mit längerem Aufenthalt in Deutschland an, die dann auf deren Situation ausgerichtet sind.

In diesen Versicherungsarten können dann weitere Leistungen wie ein Rücktransport ins Heimatland beinhaltet sein, was auch bei einer andere Art der Versicherung zu bedenken ist. Im Falle einer schweren und langwierigen Krankheit oder im Todesfall kann ein solcher Rücktransport notwendig werden und dann sollte man diese Leistung ebenfalls abgesichert haben.

Sowohl Gastarbeiter als auch Akademische Besucher sollten beim Abschluss der Versicherung darauf achten, dass folgende Leistungen abgedeckt sind:

  • Ambulante und stationäre ärztliche Behandlung
  • Grundlegende zahnmedizinische Behandlungen
  • Kosten für Medikamente und Arzneimittel
  • Für Brillen- oder Kontaktlinsenträger eventuell Sehhilfen
  • Unfallbedingte Hilfsmittel
  • Heilbehandlungen (Physiotherapie, Massagen, etc.)
  • Transportkosten zum nächstgelegenen Krankenhaus
  • Schwangerschaft und Behandlungen des Neugeborenen
  • Rücktransport ins Heimatland bei besonders schwerwiegenden Krankheiten und Verletzungen sowie im Todesfall
  • Besuch einer nahestehenden Person im Krankenhaus
  • Zusätzlich können Arbeitsunfälle oder Risiken durch Beruf oder Forschung abgesichert werden.

 

Akademische Besucher

Forscher, die für einige Zeit an eine deutsche Universität oder ein industrielles Forschungsinstitut geladen werden, um dort zu Forschen oder zu Unterrichten benötigen ebenfalls eine Krankenversicherung in Deutschland. Wer zusätzlich noch seine Familie mit auf die Reise nimmt, muss auch darauf achten, dass alle Familienmitglieder mitversichert sind und ein ausreichender Schutz für die ganze Familie besteht. Vor allem für akademische Besucher von außerhalb der Europäischen Union gilt es, sich rechtzeitig über die Möglichkeiten der Krankenversicherung in Deutschland zu informieren. Eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland wird nur dann ausgestellt, wenn eine ausreichende Versicherung nachgewiesen werden kann. Im Zweifelsfall kann eine fehlende Versicherung als das Aus für den geplanten Auslandsaufenthalt bedeuten. Schon deshalb ist es also wichtig, sich frühzeitig zu informieren, um im Ausland ausreichend geschützt zu sein.

Für Personen aus Mitgliedsländern der Europäischen Union ist keine zusätzliche Deutsche Krankenversicherung erforderlich. Durch die Sozialversicherungsabkommen zwischen den Ländern, ist die heimische Versicherung auch in Deutschland gültig. Man benötigt lediglich die so genannte Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) und gegebenenfalls für die Behörden die Formblätter 1 oder 101. Trotz dieser Absicherung lohnt sich ein Blick in die Vertragsunterlagen, um sicher zu sein, dass auch wirklich alle relevanten Leistungen auch in Deutschland abgedeckt sind und damit auch Familienmitglieder weiterhin mitversichert sind.

Wer für einen längeren Zeitraum (mehrere Jahre) in Deutschland bleibt und dort auch offiziell als Anwohner gemeldet ist, kann sich auch über eine deutsche Versicherungsgesellschaft versichern lassen, falls das gewünscht ist.

Wer an einer deutschen Universität oder Hochschule eine feste Anstellung hat, fällt unter die deutsche Sozialversicherungspflicht. In diesem Fall ist es möglich, dass die Universität einen Teil der Versicherung übernimmt und man in eine deutsche Versicherung aufgenommen wird. In diesem Fall gelten auch die Regelungen für Gastarbeiter in Deutschland (siehe oben).

Akademische Besucher mit Stipendium für die Zeit in Deutschland können sich nur privat versichern, ein Eintritt in die gesetzliche Versicherung ist dann nicht möglich. In der Regel übernimmt das Stipendium jedoch Teile der Versicherungskosten oder man kann zusätzliche Unterstützung beantragen. Die private Versicherung bietet Vorteile, da man sie individueller gestalten kann, sie ist jedoch meist auch teurer als die gesetzliche Versicherung.

Wer bei der Wahl der Versicherung Geld sparen möchte, sollte die unterschiedlichen Anbieter genau miteinander vergleichen oder im Internet einen Vergleichsrechner verwenden. So kann man das beste Preis- Leistungs- Verhältnis herausfinden.