Im akademischen Bereich war es schon immer wichtig, sich mit Forschern anderer Länder auszutauschen. Forschungsreisen sind ein großer Bestandteil der Arbeit vieler Wissenschaftler. Der Austausch und die Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen bringen oft interessante und fruchtbare Ideen hervor. Umso wichtiger ist es, diesen Austausch weiterhin aufrecht zu erhalten und auch zu vertiefen. Eine gute Möglichkeit ist dabei auch als Gastwissenschaftler im Ausland zu arbeiten. Als Gastwissenschaftler bekommt man eine Stelle an der jeweiligen Universität und kann dort für einen längeren Zeitraum (z.B. ein Jahr) mit den Kollegen an verschiedenen Forschungsprojekten arbeiten. Dies kann entweder im Rahmen der eigenen Forschungsschwerpunkte geschehen, es kann die Forschung der Kollegen betreffen oder durch die Kooperation entsteht ein ganz neues Forschungsprojekt. Es ist ebenfalls möglich, in der industriellen Forschung zu arbeiten.

Der Forschungsaufenthalt muss natürlich zunächst einmal mit den Kollegen genauestens besprochen werden. Welche Universität bietet die meisten Möglichkeiten, welche Institute sind auf ähnliche Gebiete spezialisiert wie die eigene Forschung. All diese Fragen müssen beantwortet werden, bevor man an die konkrete Planung gehen kann. Dazu gehört dann die Wahl des Zeitraums, das Festlegen der Bedingungen mit der Universität, das Suchen einer Wohnung und vieles mehr.

Um in Deutschland leben und arbeiten zu können benötigt man zudem eine Krankenversicherung und muss diese auch nachweisen können.

Das deutsche Versicherungssystem besteht zunächst aus zwei unterschiedlichen Versicherungsarten, der gesetzlichen und der privaten Versicherung. Des Weiteren gibt es in Deutschland eine Versicherungspflicht, um einen flächendeckenden Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten. Die gesetzliche Versicherung kann sich jeder leisten, die Beiträge berechnen sich nach dem Einkommen des Versicherten, zudem übernimmt der Arbeitgeber einen Teil der Versicherungskosten und für Arbeitslose oder Studenten gibt es noch zusätzliche Unterstützung. Die private Krankenversicherung richtet sich dagegen an Hochverdiener und bestimmte Berufsgruppen, für die Sonderregelungen gelten. Ausländer, die nur für einen begrenzten Zeitraum in Deutschland leben, sind jedoch nicht automatisch in dieses Versicherungssystem integriert.

Für Arztbesuche in Deutschland ist in der Regel eine Versicherung notwendig, hierfür müssen Sie ihre Versichertenkarte oder einen entsprechenden Nachweis vorlegen.

Innerhalb der Europäischen Union und mit einigen Nachbarländern gelten die so genannten Sozialversicherungsabkommen. Diese Abkommen regeln, den Versicherungsschutz in den teilnehmenden Ländern. Mit einer Versicherung eines Mitgliedslandes der EU ist es also möglich, auch in Deutschland Versicherungsschutz zu haben. Hierfür wird in der Regel die Europäische Krankenversicherungskarte ausgestellt, welche in Deutschland gültig ist.

Vorteile dieser Möglichkeit sind, dass keine zusätzliche Versicherung abgeschlossen werden muss, dass der Schutz auch bei Reisen ins Heimatland oder in andere Mitgliedsländer besteht und dass in der Regel keine erhöhten Kosten entstehen.

Jedoch gibt es auch Nachteile, so werden zum Beispiel nicht immer alle Leistungen im Zielland übernommen, da dort andere Standards gelten. So besteht die Gefahr, nicht ausreichend versichert zu sein. Für Wissenschaftler außerhalb der teilnehmenden Länder ist diese Möglichkeit zudem nicht verfügbar.

Es ist üblich, für solche Auslandsaufenthalte eine zusätzliche private Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Hier kann man individuell und flexibel die Leistungen wählen, die für die eigene Situation notwendig sind. Auslandskrankenversicherungen können sowohl bei Anbietern aus dem Heimatland abgeschlossen werden, als auch bei deutschen Anbietern. Deutsche Anbieter haben ihre Angebote schon auf das deutsche Gesundheitssystem und die hier relevanten Leistungen abgestimmt, bei anderen Anbietern muss eventuell noch überprüft werden, ob der Schutz in Deutschland als umfassend genug anerkannt wird. Eine Auslandskrankenversicherung kann in der Regel für mehrere Länder Gültigkeit haben, dann sollte man darauf achten, dass auch das Heimatland mitversichert ist, falls man nach Hause reisen möchte. Oder man lässt den dortigen Versicherungsschutz bestehen. Die Auslandskrankenversicherung kann für den jeweiligen Zeitraum des Auslandsaufenthaltes gebucht werden. Hier gilt es besonders darauf zu achten, dass keine Versicherungslücken bei An- und Abreise entstehen.

Um noch einmal darauf einzugehen, was in der Versicherung enthalten sein sollte, hier die wichtigsten Leistungen, die man abdecken sollte:

  • Ambulante und stationäre ärztliche Behandlung
  • Grundlegende zahnmedizinische Behandlungen
  • Kosten für Medikamente und Arzneimittel
  • Für Brillen- oder Kontaktlinsenträger eventuell Sehhilfen
  • Unfallbedingte Hilfsmittel
  • Heilbehandlungen (Physiotherapie, Massagen, etc.)
  • Transportkosten zum nächstgelegenen Krankenhaus
  • Schwangerschaft und Behandlungen des Neugeborenen

Für ausländische Gastwissenschaftler und Forscher gibt es noch weitere wichtige Leistungen, die beinhaltet sein sollten, dazu gehören:

  • Rücktransport ins Heimatland bei besonders schwerwiegenden Krankheiten und Verletzungen sowie im Todesfall
  • Besuch einer nahestehenden Person im Krankenhaus
  • Je nach Forschungsdisziplin kann es sein, dass man auch Berufsrisiken versichern sollte, also Unfälle die z.B. durch Chemikalien oder anderes entstehen. Hier am besten auch bei der Gastuniversität nachfragen, ob diese eine Versicherung für die Mitarbeiter hat und ob man darin mitversichert ist.

Für den Aufenthalt in Deutschland können auch noch weitere Versicherungen interessant werden. Eine Haftpflichtversicherung kann in Deutschland wichtig sein, da es gesetzlich vorgeschrieben ist, dass man entstandenen Schaden am Eigentum anderer Person vollständig zu tragen hat. Dies kann sich auch auf Forschungseinrichtungen der Universitäten beziehen. Am besten auch hier direkt an der Universität oder bei den Kollegen nachfragen, wie das vor Ort gehandhabt wird. Auch eine Hausratsversicherung kann wichtig sein, wenn man Forschungsutensilien im eigenen Haus aufbewahrt oder andere wertvolle Dinge besitzt. Des Weiteren kann eine Gepäckversicherung für die Reise oder eine Unfallversicherung in Frage kommen.

Das Thema Krankenversicherung sollte für den Auslandsaufenthalt wirklich ernst genommen werden und das nicht nur, weil in Deutschland eine Versicherungspflicht besteht, sondern weil ein umfassender Schutz jederzeit wichtig ist. Mit einem guten Versicherungsschutz kann man den Aufenthalt an der Gastuniversität mit einer Sorge weniger angehen und sich ganz auf die Forschung und den Wissensaustausch mit den deutschen Kollegen und Kolleginnen konzentrieren. So entstehen hoffentlich neue freundschaftliche Verbindungen und interessante Ergebnisse für das jeweilige Forschungsfeld.